Wie eine Online-Bibel nicht funktionieren sollte

Seit ein paar Wochen ist die neue Homepage der Bibel in gerechter Sprache online. Dort kann man sich diese Bibelversion kostenlos anschauen. Ich habe die Seite mal unter die Lupe genommen.

Ich bin ja grundsätzlich ein Fan davon, wenn Unternehmen das Internet sinnvoll einsetzen und Inhalte online verfügbar machen. Aber das, was das Team der Bibel in gerechter Sprache (BigS) da verzapft hat, taugt einfach überhaupt nichts!

BigS Online

Und dabei geht es mir nicht um die Optik. Die Seite ist sehr schick designt – schlicht und modern, in gedeckten Farben. Es geht mir auch nicht um die Theologie der BigS. Dazu haben andere schon genug geschrieben.

Wozu ist eine Online-Bibel da?

Online-Bibeln eignen sich hervorragend, um Bibelstellen schnell aufzurufen, um in verschiedene Übersetzungen zu vergleichen, und zum recherchieren. Eine digitale Volltextsuche schlägt jede Konkordanz um Längen. Die Onlinge-BigS ist für keines dieser Dinge zu gebrauchen.

Versuchen wir doch mal spaßenshalber, eine Bibelstelle aufzurufen. Zum Beispiel Psalm 23: Ich wähle aus dem Dropdown-Menü den Punkt „Das Buch der Psalmen“ aus (nicht leicht zu finden, weil die BigS auch viele apokryphe Stoffe beinhaltet – was ja nicht unbedingt schlecht ist. Die Liste der Bücher ist auf jeden Fall lang). Dann gebe ich im Feld „Kapitel“ „23“ ein. Dabei denke ich mir, dass ein einfaches Eingabefeld für die Bibelstelle irgendwie schneller zu benutzen wäre.

Eine gute Strafarbeit für studentische Hilfskräfte?

Ich klicke auf „Suchen“ und bin gespannt, wie die BigS den bekannten Psalm übersetzt. Aber statt des Bibeltextes begrüßt mich eine kleine Meldung: „Bitte Vers angeben.“ Nun gut, denke ich, gebe ich halt bei „Vers“ „1–6“ ein. Aber nein, ich muss auch noch einmal das Buch und das Kapitel eintragen. Ich ärgere mich über die umfangreiche Buchliste. Warum konnte sich die Seite meine Auswahl nicht merken?

Erneut klicke ich auf „Suchen“. Statt des Bibelverses bekomme ich nur die Meldung „Nicht vorhanden“. Und natürlich ist meine Eingabe wieder verschwunden.

Ich bin ein geduldiger Mensch, deshalb versuche ich es noch einmal, diesmal mit der Versangabe „1“. Die anderen Verse werden sich dann schon finden lassen. Ich hatte es schon nicht mehr erwartet, aber da erschien tatsächlich die gesuchte Bibelstelle auf der Internetseite! Allerdings nur die Verse 1 bis 5. Vielleicht gibt es keinen Psalm 23,6 in der BigS? Zur Sicherheit suche ich noch einmal (über die ellenlange Buchliste schimpfend) nach Vers 6.

Es stellt sich heraus, dass es den sechsten Vers in der Tat gibt, die Internetseite der BigS aber immer nur 5 Verse am Stück anzeigen kann (will?). Wer weiter- oder zurückblättern will, hat Pech und muss die nächste Bibelstelle mühsam noch einmal eingeben. Es ist, als wollen die Macher der Seite einen dafür bestrafen, sich für die BigS zu interessieren …

Vielleicht ist ja die Volltextsuche praktischer zu bedienen. Moment mal: Es gibt keine Volltextsuche. Warum auch?

Wer auch immer die Online-Präsenz der BigS entwickelt hat, er hat wohl nicht damit gerechnet, dass tatsächlich jemand sie dazu benutzen möchte, den Bibeltext einzusehen. Stattdessen bietet die Seite jede Menge Randinformationen zur BigS, sowie Pressemitteilungen und Nachrichten – für die Arbeit mit dem Text leider völlig nutzlos.

Fazit

Ich verstehe nicht ganz, was die Seite der BigS soll. Wenn sie ausschließlich für Hintergrundinfos zu der umstrittenen Übertragung gedacht ist, hätte man sich die kümmerliche Textansicht vielleicht ganz sparen sollen. In ihrer jetzigen Form ist sie nur eine Beleidigung für alle, die mit echtem Interesse mal unverbindlich in der Bibel in gerechter Sprache nachlesen wollten.

Daran wird sich wahrscheinlich auch kurzfristig nichts ändern. die dämliche 5-Verse-Begrenzung und die fehlende Suchfunktion ist höchstwahrscheinlich eine „Idee“ von irgendwelchen Verlagsbürokraten, die Angst haben, dass niemand mehr ihr Buch kauft, wenn die Online-Version zu praktisch wird.

Mein Interesse ist auf jeden Fall verflogen.