Statement des Vorstandes der Versöhnungskirchgemeinde zu einer Rede seines Mitgliedes Tobias Keller

Es gibt gute Neuigkeiten zur Causa Tobias Keller. Der Kirchenvorstand der Leipziger Kirchgemeinde, in dem auch der AfD-Landtagsabgeordnete Mitglied war, hat sich von Keller getrennt:

In Gesprächen des stellvertretenden Vorsitzenden des Kirchenvorstandes, Pfr. Stefan Zieglschmid, mit Herrn Keller, wurde letzterem die Position des Kirchenvorstandes erläutert und Herrn Keller die Niederlegung seines Kirchenvorstands-Mandates empfohlen. Diesem kam Herr Keller mit seinem Schritt nach.

Ich bin positiv überrascht von der Entschiedenheit, mit der sich der Vorstand von Herrn Keller distanziert hat. Immerhin war Keller schon seit 2008 Vorstandsmitglied. Besonders der letzte Absatz der Stellungnahme des Vorstands hat es in sich:

Der Vorgang belegt erneut, dass das Menschenbild der Mehrzahl der AfD-Vertreter im Christentum keine Grundlagen hat. Ein Repräsentant der AfD kann daher nicht für eine Kirchgemeinde sprechen.

Der Kirchenvorstand bringt es auf den Punkt: Es ist ein Skandal, dass AfD-Funktionäre überhaupt Ämter in einer evangelischen Landeskirche bekleiden dürfen. Denn das, was Tobias Keller in seiner Rede von sich gegeben hat, konnte man ganz ähnlich schon das ganze Jahr im Regierungsprogramm der AfD Sachsen lesen:

Halales Essen in Kantinen ist Ausdruck einer fortschreitenden Islamisierung, die wir entschieden bekämpfen. […]
Am generellen Verbot von Schächtungen wird festgehalten. In Sachsen sollen keine Ausnahmegenehmigungen erteilt werden, auch nicht aus religiösen Gründen.

Die sächsische Landeskirche druckst bei diesem Thema seit Jahren auf beschämende Weise herum. Gern spricht man in Dresden in blumigen Worten von Nächstenliebe und Demokratie, aber wenn es um die konkrete Bewertung der AfD geht, will sich niemand offiziell äußern. Andere Landeskirchen haben hier längst klare Worte gefunden.

Dass in Sachen Zusammenarbeit mit AfD-Funktionären ausgerechnet eine kleine Leipziger Stadtgemeinde eine Vorreiterrolle für ganz Sachsen einnehmen muss, ist bedauernswert, aber leider typisch.